KI gewinnt Essay-Wettbewerb in Estland
KI gewinnt Essay-Wettbewerb in Estland
Der erschrockene Juryvorsitzende versuchte zunächst, seine Kritiker mit dem Argument zu beschwichtigen, dass die Verwendung von Pseudonymen in der Literatur ein uraltes Phänomen sei. Doch nach weiteren Untersuchungen wurde es immer wahrscheinlicher, dass der Aufsatz nicht von einem jungen estnischen Mädchen geschrieben wurde, sondern von einem Literaten mittleren Alters, der auf diese Weise seinem Frust über die politische Bevorzugung von Genres und Gender Luft machte und das Preisgeld einstrich. Nur sein Name war noch unklar.
Schließlich meldete sich der Autor Anfang März zu Wort: Kaur Riismaa, ein Schriftsteller und Dichter Mitte dreißig – die Diskussion verstummte größtenteils. Die beliebte Fernsehsendung, in der er auftrat und das Geheimnis hinter der erfundenen Autorin lüftete, versuchte, den Skandal kühl zu rationalisieren. Das Thema „Künstliche Intelligenz in der Essayistik“ und deren Preiswürdigkeit aber mied das Gespräch wie der Wolf das Feuer.